... mit Larissa Kikol über Graffiti als Konzeptkunst und Post-Vandalismus
Larissa Kikol ist Kunstwissenschaftlerin und Romanautorin. Seit Jahren beschäftigt sie sich mit Graffiti, Vandalismus und abstrakter Malerei – nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch: Für ihre Recherchen hat sie Sprayer-Crews wie die Berliner Diamonds sowie Moses & Taps aus Hamburg über Jahre begleitet. Sie saß bei nächtlichen Zug-Aktionen mit Kopfhörer an U-Bahnstationen Schmiere und hat die Szene in einem autofiktionalen Roman verarbeitet.
Im Gespräch erklärt sie, warum sie zwischen Street Art (figürlich, dekorativ, publikumsfreundlich) und ihrem eigenen Begriff „Post-Vandalismus” unterscheidet. Letzteren Begriff verwendet sie für Künstler*innen wie die Diamonds Crew oder Moses & Taps, deren Arbeiten längst in Richtung Konzeptkunst und abstrakte Malerei gehen. Sie erzählt von der Gruppenausstellung „Post-Vandalismus“, die sie gemeinsam mit dem Kunstverein Hannover kuratiert hat, von Konflikten um kulturelle Aneignung – etwa der Kritik an Alexander Wertheim oder Katharina Grosses Abgrenzung von der Szene – und davon, wie sich Künstler wie Christopher Wool oder Anselm Reyle sichtbar an der Ästhetik der Straße bedient haben. Auch die Ökonomie der Szene kommt zur Sprache: Sponsoring durch Spraydosen-Hersteller wie Montana, ein eigener Sammlermarkt für Leinwandarbeiten und Skulpturen von Sprayern sowie die Frage, warum es in diesem Feld bis heute vor allem Männer sind, die den Ton angeben.
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© Portrait Momen Mostafa
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